Himmelherrgottauferdennochmal!

Gott im Himmel – der Teufel auf Erden?

Erzähler/in

Teufelchen   (schwarze und rote Kleidung, Hörner)

Oberengel    (weißes Gewand, Goldreif)

5 Engel          (weiße Gewänder, Sternenkranz)

3 Hirten       (braune Kleidung, Hut, Stab, Schaf, Feuer, leere Bierflaschen)

Maria           (blaues Gewand, Kopftuch, Eimer)

Josef           (dunkle Kleidung, Hut, Holz)

Kaiser Augustus (violettes Gewand, Krone, Traustuhl)

König Herodes (rotes Gewand, Krone)

3 Weise       (Samtumhänge, Kronen, dicke Bücher, Fernrohr)

Wirt             (Schürze, leere Weinflasche)

Wirtin          (Schürze)

Gast

Krippe

 

Die Rapper kommentieren das Geschehen in der Weise eines antiken Chores.

Die Raps sind aber für den Handlungsablauf verzichtbar, können aber auch einfach nur gelesen werden.

 

 

Dunkel. Die Engel liegen schlafend auf dem Boden, ihre Sternenkränze neben sich.

 

Erzähler/in:

Es geschah zu der Zeit, da überall auf der Welt die Menschen unzufrieden waren. Sie misstrauten einander, stritten und bekämpften sich und konnten nie genug bekommen.

Ja, die Menschen machten sich das Leben zur Hölle. Sie wussten gar nicht mehr, warum sie überhaupt auf der Welt waren.

Dabei hatte sich der Schöpfer das so schön ausgedacht mit den Menschen! Da musste der Teufel seine Hände im Spiel haben…

Nun saß Gott, der Schöpfer, da und betrachtete schon eine ganze Weile das elende Treiben auf der Erde.

„Es muss etwas geschehen“, dachte er. „Die Menschen sollen wieder wissen, warum sie da sind und wie schön das Leben auf der Erde sein kann! Dem Teufel muss endlich das Handwerk gelegt werden.“

Er dachte und dachte und dachte… und dann fasste er einen Entschluss: „Ich werde meine Engel auf die Erde schicken. Die haben lange genug hier oben geschlafen.“

 

RAP: Teufelauferdennochmal

 

Zwischen den Menschen regiert Hass und Streit,

ja, es tobt die Hölle auf Erden, es geht zu weit,

was soll nur daraus werden,

wird Gottes Schöpfung sterben?

Viele sind Opfer, viele suchen den Streit,

doch wir reimen weiter, reimen über das Leid.

Die Menschen haben das Maß verloren,

doch Gott hat sich doch gerade diese eine Erde erkoren.

Der Teufel ist mächtig,

doch Gott bleibt bedächtig.

Er hat sich geschworen:

Wenn jetzt nichts geschieht, ist alles verloren.

Teufelauferdennochmal,

diese Erde braucht Gottes Hilfe, das ist doch klar.

Kannst Du die Erde sehen, kannst Du sie sehen,

kannst Du auf Erden sehen, wie alles verkommt-

denn sie hat alles verloren.

Kannst Du die Tränen sehen, kannst du sie sehen,

sie würde nur zu gern dem Elend entkommen,

sie wartet auf ihre Chance.

Kannst Du die Erde sehen, kannst du sie sehen,

kannst du sehen, wie der Teufel gewinnt,

kannst Du sehen das vieles mit der Erde nicht mehr stimmt.

Kannst du sehen, die Erde hat alles verloren.

Und jetzt sag uns noch mal

wir schauen nicht nach vorn:

Wir haben alles verlorn.

 

 

1.SZENE: IM HIMMEL

 

Oberengel:    Hosianna! Himmlische Heerscharen: Aufgewacht! (klatscht dreimal in die Hände)
Es gibt viel zu tun. Hosianna!

 

Strahler an

Engel räkeln sich, reiben sich den Schlaf aus den Augen, recken und strecken sich.

 

Engel 1:        Nun mal langsam. Was soll es schon großartig zu tun geben? Der Himmel ist aufgeräumt, die Sterne sind frisch poliert…

 

Engel 2:        …und die Wolken waren auch alle gestern erst in der Waschmaschine.

 

Engel 3:        Ich bin ja sooo müüüde! (gähnt)

 

Engel 4:        Und ich habe ganz lahme Arme vom vielen Polieren! (reibt sich die Oberarme)

 

Oberengel:    Hosianna! Nur keine Müdigkeit vorschützen! Befehl von ganz oben: Wir sollen uns umgehend auf die Erde begeben.

 

Engel 5:        Huh, ist das aufregend! Da bin ich ja noch nie gewesen.

 

Engel 1:        Natürlich nicht. Wir sind doch Engel! Engel gehören ja wohl in den Himmel und nicht auf die Erde.

 

Engel 2:        Und im Himmel, da ist – wie gesagt – alles in bester Ordnung.

 

Oberengel:    Papperlapapp, ähhhm Hosianna! Wisst ihr etwa nicht mehr, was unser Name bedeutet? „Angelos“, das bedeutet „Bote“. Wir sind Boten des Himmels für die Erde. Das ist unser Job. Also: Himmlische Heerscharen, macht euch bereit! (klatscht dreimal in die Hände) Die Heiligenscheine aufgesetzt! Hosianna!

 

Engel 3:        Können wir nicht erst noch ein wenig ausruhen? Der Himmelsputz war schließlich soooo aaanstrengend…

 

Oberengel:    Hosianna, habe ich gesagt. Wir haben einen wichtigen Auftrag zu erfüllen. Wir sollen den Menschen den Frieden auf die Erde zurückbringen. Auf der Erde ist nämlich gar nichts in Ordnung!

 

Engel 5:        Huh, ist das aufregend! Das hab ich ja noch nie gemacht.

 

Engel 2:        Wir sollen jetzt auch noch auf der Erde aufräumen? Alles so schön machen wie im Himmel?

 

Engel 1:        Wie soll das denn gehen? Menschen polieren und Häuser in Ordnung bringen –                   oder was?

 

Oberengel:    Wenn das so einfach wäre! Frieden sollen wir zu den Menschen bringen, dafür                  sorgen, dass sie liebevoll miteinander umgehen.

 

Engel 5:        Huh, ist das aufregend! Das habe ich ja noch nie erlebt.

 

Oberengel:    Eben. Genau das ist der Grund, warum wir runter auf die Erde müssen. Die Menschen sollen endlich lernen, in Frieden miteinander zu leben. So hat es Gott, der Herr, beschlossen und basta! Entschuldigung: Hosianna!

 

Die Engel setzen ihre Sternenkränze auf. Engel ab.

Licht aus.

 

 

 

Erzähler/in:

Während sich die himmlischen Heerscharen jetzt eifrig für ihre große Aufgabe rüsten, ist auf der Erde ein ganz anderer am Werk. In einem Wirtshaus.

 

 

 

  1. SZENE: IN EINEM WIRTSHAUS

Wirtsleute und Gast stehen vorne. Das Teufelchen hält sich feixend im Hintergrund.

Strahler an.

 

Wirt:            Wie, du kannst deine Zeche nicht zahlen? Ich werde dir Beine machen! (schubst den Gast an)

 

Teufelchen:   (reibt sich schadenfroh die Hände) So mag ich’s. Das gefällt mir.

 

Gast:            (krempelt seine Hosentaschen um) Ich habe wirklich keinen Cent. Ich kann heute nicht zahlen. Bitte: Du musst noch einmal anschreiben.

 

Wirt:            Dann hättest du dir nicht den Bauch vollschlagen dürfen! Geld oder…

 

Teufelchen:   Weiter so! Zeig’s ihm.

 

Gast:            Bitte lasst Gnade walten. Ich hatte so schrecklichen Hunger.

 

Wirtin:          Von wegen: Gnade! Mit uns ist auch keiner gnädig.

 

Teufelchen:   Recht so! Wo kämen wir denn hin, wenn jeder gnädig wäre…

 

Gast:            (wimmert) Ich zahle euch’s, sobald ich kann. Bestimmt bekomme ich morgen wieder Arbeit, und dann…

 

Wirtin:          Alles leere Versprechungen! Wer soll dir schon Arbeit geben. Los, Mann, wirf ihn endlich raus!

 

Teufelchen:   Genau! Hau ihm so richtig eins in die Fresse…

 

Wirt:            geht mit einer Flasche auf den Gast los, Gast stolpert davon.

 

Licht aus. Wirt, Wirtin und Gast ab.

 

 

 

Erzähler/in:

Der Herr der himmlischen Heerscharen, der das alles aus der Höhe beobachtet hatte, beschloss, seinen Engeln Flügel zu machen, damit sie dem Teufel endlich das Handwerk legen sollten. Frieden, das war es, was der Herr auf Erden wollte. Aber wie nur sollte das gelingen? Er grübelte und grübelte…

 

 

RAP: Teufelauferdennochmal

 

Gott sieht die täglichen Probleme,

viele Menschen ohne Arbeit,

das Leben in der Schwebe.

Keiner gibt dem anderen Verständnis,

dieser Rap – das ist unser Bekenntnis,

Gott gibt uns Erkenntnis.

Gott weiß es wird Zeit, die Engel müssen handeln,

Gott weiß es wird Zeit, diese eine Erde zu verwandeln.

Noch denkt er nach, was soll er jetzt tun,

doch er lässt das Werk seiner Hände nicht ruhen.

Der Teufel ist mächtig,

doch Gott bleibt bedächtig.

Teufelauferdennochmal,

diese Erde braucht Gottes Hilfe, das ist doch klar.

Gott hat sich geschworen:

Wenn nichts geschieht, dann ist alles verloren.

Kannst Du die Erde sehen, kannst Du sie sehen,

kannst Du auf Erden sehen, wie alles verkommt-

denn sie hat alles verloren.

Kannst Du die Tränen sehen, kannst du sie sehen,

sie würde nur zu gern dem Elend entkommen,

sie wartet auf ihre Chance.

Kannst Du die Erde sehen, kannst du sie sehen,

kannst du sehen, wie der Teufel gewinnt,

kannst Du sehen das vieles mit der Erde nicht mehr stimmt.

Kannst du sehen, die Erde hat alles verloren.

Und jetzt sag uns noch mal

wir schauen nicht nach vorn:

Wir haben alles verlorn.

 

 

 

  1. SZENE: AUF DER ERDE – BEI MARIA UND JOSEF

Maria hält einen Eimer in der Hand. Josef werkelt, abgewandt mit einigen Holzbrettern.

Das Teufelchen befindet sich wieder im Hintergrund.

Licht an.

 

Maria:          (ganz zaghaft) Josef?

 

Josef:           Ja, mein Schatz?

 

Maria:          Ich muss dir etwas sagen…

 

Teufelchen:   Ha, jetzt kommt’s raus!

 

Josef:           (misstrauisch) Jaaaa?

 

Maria:          Es fällt mir nicht leicht…

 

Teufelchen:   Raus mit der Sprache, alte Schlampe! (reibt sich die Hände)

 

Maria:          Ich bin… , ich habe… – wie soll ich’s dir nur sagen?

 

Josef:           Schon seit Tagen habe ich das Gefühl, dass du mir etwas verschweigst.

Ich glaube, ich kann dir nicht mehr trauen. Vielleicht ist es besser, wenn wir unsere Verbindung lösen.

 

Maria:          Nicht, Josef…

 

Teufelchen:   Jetzt sag ihr einfach, dass sie Land gewinnen soll! Nur Mut, lass es so richtig krachen! Ha, wie ist das schön, wenn Leute sich trennen! So richtig mit Schimpf und Schande – das liebe ich.

 

Josef:           Wenn du jetzt nicht endlich mit der Sprache raus rückst, dann…

 

Maria:          (verzweifelt) Nicht, Josef!

 

Licht aus. Maria und Josef ab.

 

 

Erzähler/in:

„Ob es wohl wirklich reicht, wenn ich meine Engel zur Erde schicke?“ dachte in dem Moment der Herr im Himmel. „Die Menschen scheinen nicht wirklich den Frieden zu wollen. Oder sind sie einfach nicht dazu in der Lage? Wie nur kann ich sie zum Frieden anstiften?“

Da forderte eine neue Szene seine Aufmerksamkeit…

 

  1. SZENE: AUF DER ERDE – AUF EINEM FELD

Hirten sitzen grölend um ein Lagerfeuer herum. Leere Bierflaschen. Teufelchen im Hintergrund.

Hirte 1:        Eh du, gib mal ne neue Pulle her!

Hirte 2:        (hebt verschiedene Flaschen an) Alles leer. Kein Stoff mehr.

Hirte 3:        Sag schon, wo hast du die vollen versteckt? Willst wohl wieder alles alleine saufen.

Teufelchen:   Hui, gleich geht’s auch hier zur Sache!

Hirte 2:        (lauter) Alles leer, hab ich gesagt! Guckt doch selbst nach.

Hirte 1:        Jetzt werd‘ bloß nicht unverschämt. Wer hat das Zeug denn besorgt?

Hirte 2:        Besorgt, besorgt – hör immer: besorgt. Geklaut hast du die. Und was geklaut ist, das gehört uns allen.

Hirte 1:        Immer bin ich hier der Dummdödel, der den Kopf hinhält. Ihr seid doch alle zu feige. Wollt euch nicht die Finger schmutzig machen.

Hirte 3:        Was heißt hier: „nicht die Finger schmutzig machen“? Wir sind doch sowieso der letzte Dreck.

Teufelchen:   O, welche Selbsterkenntnis…

Hirte 2:        Was machen wir denn jetzt?

Hirte 1:        (kratzt sich am Kopf) Weiß nicht.

Hirte 3:        Weiß auch nicht.

Licht aus.

Hirten ab.

Erzähler/in:

Als Gott das sah, sagte er: „Nein, meine Engel können da nichts ausrichten. Ich muss mir etwas anderes einfallen lassen. Größer und schlagkräftiger muss es sein als das ganze Heer der himmlischen Heerscharen!“ – Da ereignete sich auf der Erde folgendes:

  1. SZENE: AUF DER ERDE – IN EINEM OBSERVATORIUM

Die drei Weisen sind mit dem Fernrohr beschäftigt und wälzen dicke Bücher.

Licht an.

Weiser 1:      Schon seit Tagen ist der Himmel bedeckt.

Weiser 2:      Nichts ist zu sehen. Das ist wirklich frustrierend.

Weiser 3:      Ihr solltet euch lieber den Büchern widmen. Hier gibt es viel Interessantes zu studieren.

Teufelchen:   Was sind das denn für abgedrehte Typen? Starren den ganzen Abend schon in den Himmel. Als ob’s da was zu sehen gäbe. Das Wesentliche passiert ja wohl hier auf der Erde zwischen den Menschen. Streit, Misstrauen, Prügeleien – das ist ein Spaß!

Weiser 1:      Ich will aber keine Bücher studieren, sondern den Himmel.

Weiser 2:      Es ist an der Zeit, dass sich da etwas Entscheidendes tut.

Weiser 3:      Wie kommst du denn darauf?

Weiser 2:      Es ist an der Zeit, dass uns die Sterne sagen, dass sich an der Herrschaft dieser Welt etwas ändert.

Teufelchen:   Hä, wenn da mal nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist. Die Herrschaft liegt schon in den richtigen Händen. Die kleinen Leute werden so wunderbar drangsaliert. Es wäre ein Jammer, wenn das aufhören würde!

Weiser 3:      Aber die klugen Bücher sagen, dass das noch ewig dauern kann. Kaiser Augustus wird wohl bis an sein Lebens Ende das Reich regieren. Und König Herodes eben-          so. Sterne am Himmel – das ist doch nur Überbau. Ihr müsst die Geschichte studieren, wie kluge Menschen sie beschrieben haben. Und nicht in den Himmel starren. Das bringt doch nichts…

Licht auf Kaiser Augustus (auf Traustuhl vor dem Altar) richten.

Augustus:      Ich bin Augustus. Augustus, der Große.

Ich bin der Kaiser, der mächtigste Mann der ganzen Welt.

Ich herrsche über alle Länder der Erde.

Ich habe viele Soldaten. Ich lasse Straßen bauen.

Ich lasse Siegessäulen und Triumphbögen aufrichten.

Dafür brauche ich Geld. Viel Geld.

Meine Untertanen müssen es mir geben.

Alle müssen Steuern zahlen. Hohe Steuern.

Ich werde die erforderlichen Befehle geben.

Alle Welt muss mir gehorchen.

Teufelchen:   Richtig so. Geld regiert die Welt. Und wer die Macht hat, der hat das Sagen.

Augustus ab. Herodes setzt sich an seine Stelle.

Herodes:       Gestatten: Herodes.

Ich bin der König in Israel.

Neben mir ist niemand König.

Oder vielleicht doch?

(jämmerlich) Warum hört eigentlich niemand auf mich?

Nicht einmal meine Frau tut, was ich ihr sage.

Ich bin der König von Israel.

Ich werde es euch allen zeigen!

Teufelchen:   Noch viel gefährlicher als die Mächtigen sind die, die nur mächtig sein wollen.

Das wird noch ein Spaß!

 

Herodes ab.

Licht aus.     

Erzähler/in:

„Das ist es!“, dachte Gott. „Das ist die Lösung: Ich werde der Welt einen neuen König geben. Einen, auf den sie hören werden. Einen, dem am Wohl der Menschheit liegt. Einen starken und mächtigen Friedenskönig. Und die Engel sollen alles vorbereiten, damit der König kommen kann.“

Inzwischen ist es dem Oberengel gelungen, die himmlischen Heerscharen auf Trab zu bringen. Einer nach dem anderen schwingen sie sich auf die Himmelrutsche und sausen zur Erde hinab. Plumps, plumps, plumps…

  1. SZENE: IRGENDWO ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE

Teufelchen steht vorne. Engel purzeln auf die Erde, stehen auf, richten sich her.

Teufelchen:   (nimmt die Engel wahr) Nanu, wer seid denn ihr?

Engel 1:        Wir sind Engel.

Teufelchen:   Engel gibt es nicht. Zumindest nicht hier auf der Erde. Hier ist meine Welt.

Oberengel:    (baut sich vor dem Teufelchen auf) Hosianna! Du siehst doch, dass es uns gibt.

Hosianna!

Teufelchen:   Was soll denn dies alberne (nachäffend) „Hosianna“?

 

Oberengel:    „Hosianna“ – das ist unser himmlischer Gesang. Wir haben wichtige Nachricht von Gott. Den Frieden auf Erden sollen wir bringen. Hosianna!

Teufelchen:   Ha, dass ich nicht lache! Den Frieden! Ihr habt doch mitbekommen, was hier los ist. Von wegen: Frieden! Ha, da habt ihr keine Chance!

Engel 2:        Wir sind das himmlische Aufräumkommando. Was wir im Himmel geschafft haben, das werden wir auch auf der Erde hinkriegen.

Engel 5:        Huh, ist das aufregend! Das hat es ja noch nie gegeben.

Teufelchen:   Und das wird es auch nie geben. Solange ich hier das Sagen habe…

Oberengel:    Es hat nur einer das Sagen: Gott, der Herr der himmlischen Heerscharen!

Hosianna!     

Teufelchen:   Wie du schon sagt: Herr der himmlischen Heerscharen. Das mag schon sein. Aber hier auf der Erde bin ich der Herr!

Oberengel:    Das wird sich ab sofort ändern. Himmlische Heerscharen…

Teufelchen:   Das wird sich niemals ändern! Hihihi, wenn ich nur an die keifenden Wirtsleute denke… Oder an den gehörnten Josef… Oder dieses Hirtengesindel…

Oberengel:    Denen werden wir den himmlischen Frieden verkünden und dann…

Teufelchen:   …dann wären da immer noch die Könige. Die einen, die den ganzen Tag in den Himmel starren und die anderen, die meinen, sie würden die Erde regieren. Ha, dass ich nicht lache! Hier regiert nur einer. Und das bin ich!

Licht aus. Engel und Teufelchen ab.

Erzähler/in:

Da wusste der Herr im Himmel auf einmal, was zu tun war: „Ich muss selbst auf die Erde.“ Und er machte sich bereit, den Menschen den Frieden zu bringen. Auf eine ganz eigene Weise, die nur Gott im Himmel einfallen konnte, machte er sich auf den Weg zu den Menschen. Die Engel aber, allen voran der Oberengel, die sollten sein Kommen ankündigen. Denn das war schließlich ihre Aufgabe…

  1. SZENE: AUF DER ERDE – ENGEL BEI MARIA

Maria sitzt traurig auf dem Eimer.

Oberengel tritt auf.

Strahler an.

Oberengel:    Maria, warum weinst du?

Maria:          Ach, der Josef, der ist immer so stur.

Oberengel:    Ich habe eine gute Nachricht für dich. Du sollst Mutter Gottes werden.

Maria:          Mutter Gottes? Wer hat sich denn das einfallen lassen? Ich, die Unschuld vom Lande? Das macht ja alles noch viel schlimmer!

Oberengel:    Fürchte dich nicht! Gott hat dich ausgesucht. Es wird alles gut werden.

Maria:          Aber was ist mit Josef? Den kann ich jetzt gleich vergessen.

Oberengel:    Das mit dem Josef, das kriegen wir schon hin. Männer sind manchmal stur. Aber Gott wird ihm schon den richtigen Weg zeigen…

Maria und Oberengel ab.

Strahler aus.

Erzähler/in:

„Nun gut“, dachte der Herr der himmlischen Heerscharen. „Der Oberengel hat schon so seine eigene Art.“ Doch der erste Schritt zu seiner Geburt auf Erden war getan. Nun musste noch ein Ort her, an dem er zur Welt kommen konnte.

  1. SZENE: AUF DER ERDE – ENGEL BEI DEN WIRTSLEUTEN

Wirtsleute und Engel 5

Strahler an. 

Engel 5:        Huh, sehen die unfreundlich aus! Das hab ich ja noch nie erlebt.

Wirt:            Du wirst gleich was erleben, wenn du dich nicht verziehst!

Engel 5:        Ich, ich, ich bin ein Engel.

Wirtin:          Die Bude ist voll. Besser, du machst gleich den Abflug.

Engel 5:        Ich bin doch gerade erst angekommen. Und ich habe euch etwas zu sagen.

Wirt:            Das Gelaber der Besoffenen hören wir uns schon den ganzen Abend an.

Engel 5:        Aber das sind doch eure Gäste! Und ich kündige euch neue Gäste an. Ein Mann wird kommen mit einer Frau, die ist hoch schwanger.

Wirtin:          Ich habe doch gesagt: Die Bude ist voll.

Wirt:            Jetzt halt doch mal den Mund, Frau. Ich will hören, was der „Engel“ noch zu sagen hat.                  

Engel 5:        Danke… Das Kind, das die Frau bekommen wird, ist ein ganz besonderes Kind, das die Welt verändern wird. Auch euer Leben wird dies Kind verändern.

Wirt:            Das wär ja mal was. Immer dieselbe Leier, das geht mir schon ganz schön auf den Senkel.

Wirtin:         Wir haben trotzdem nichts frei.

Wirt:            Aber da ist doch noch der alte Stall, nicht sehr komfortabel zwar, aber immerhin ein Dach überm Kopf…

Engel 5:        (zu sich selbst) Huh, ist das schwierig! Aber vielleicht reicht das ja. Der Herr der himmlischen Heerscharen hat nicht gesagt, dass er’s komfortabel haben will.

(zu den Wirtsleuten) Dann buche ich also den Stall. Wenn ihr mir freundlicher weise noch zeigen würdet, wo der sich befindet…

Engel und Wirtsleute ab.

Strahler aus. 

Erzähler/in:

In einem Stall also sollte der Herr zur Welt kommen. „Das ist genau das Richtige“, dachte er bei

sich. „Die Menschen sollen schon bei meiner Ankunft merken, dass ich zu den Armen komme und den Unglücklichen das Heil und den Frieden bringen will.“ Und er rieb sich voller Vorfreude die Hände.

  1. SZENE: AUF DER ERDE – ENGEL BEI DEN HIRTEN

Dir Hirten sitzen um das Lagerfeuer. Engel 1+2 treten auf.

Strahler an. 

Engel 1:        Ihr wisst nicht, was ihr tun sollt?

Hirte 1:        Seht ihr, was ich sehe?

Hirte 2:        Das ist nur der Alkohol. Der hat dein Hirn vernebelt.

Hirte 3:        Still, ich habe etwas gehört!

Hirte 2:        Halluzinationen, Stimmen – Leute, wir sollten mit dem Trinken aufhören. Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.

Engel 2:        Geht hin und macht euch auf den Weg. Denn euch ist heute der Heiland geboren, der Herr, der euer Leben heil machen wird.

Hirte 2:        Verflixt, jetzt hab ich’s auch gehört. Das ist ja furchtbar!

Engel 1:        Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine große Freude.

Hirte 3:        Was hat der gesagt?

Engel 2:        Zum Teufel mit eurer Begriffsstutzigkeit! Tut endlich, was ich euch sage und macht euch auf den Weg nach Bethlehem. Sonst werdet ihr das Heil der Welt niemals finden!

Hirte 1:        Bethlehem – wo ist das denn?

Hirte 2:        Ist das nicht so ein Kaff im Norden, das sie eingemeindet haben?

Hirte 1:        Ach das. Das ist voll das Ghetto, hab‘ ich gehört. Da leben nur Asis.

Hirte 3:        Als ob wir keine Asis sind.

Hirte 1:        Nicht so, wie die im Norden…

Hirte 2:        Richtich.

Engel 2:        Los jetzt endlich. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Die Letzten – oder wie ihr sagt: die Asis -sollen die Ersten sein!

Hirte 1,2,3:   (stehen schwankend auf) Schon gut, schon gut, wir gehn ja schon. Etwas Besseres als hier werden wir überall finden…

Engel 1+2:    Der Herr im Himmel hat Recht: Hier bei denen muss wirklich mal gründlich aufgeräumt werden…

Licht aus. Alle ab.

 

  1. SZENE: AUF DER ERDE – ENGEL BEI DEN WEISEN

Der Oberengel steht neben dem Weisen 1 am Fernrohr und zeigt in den Himmel.

Die Weisen 2 und 3 wälzen immer noch Bücher…

Licht an. 

Weiser 1:      Da! Da ist er!

Weiser 2:      Wer?

Weiser 3:      Der neue Herrscher?

Weiser 1:      So gut wie!

Weiser 3:      Was soll das denn heißen? – „Ein bisschen neuer Herrscher“, das gibt es doch wohl nicht.

Weiser 2:      Das klingt ja wie: „ein bisschen schwanger“.

Oberengel:    Hosianna! Ihr seid schon auf der richtigen Spur. Sogar „hochschwanger“ war Maria, die Mutter Jesu, des neuen Herrschers!

Weiser 3:      Und jetzt?

Oberengel:    Du bist doch ein Weiser: Was kommt denn nach „hochschwanger“?

Weiser 1:      Die Sterne zeigen mir: Der neue König ist geboren!

Oberengel:    Jetzt hat er’s – Hosianna!

Weiser 3:      Also nichts wie hin! Folgen wir dem Königsstern!

Oberengel:    Sogar den Weisen dieser Welt muss unsereins auf die Sprünge helfen…

Alle ab.

Licht aus. 

LETZTE SZENE: IM HIMMEL, DER AUF DIE ERDE GEKOMMEN IST

Maria und Josef stehen an der Krippe.

Alle trudeln nach und nach an der Krippe ein…

Das Teufelchen steht zunächst etwas abseits vor der Kanzel.

Hirte 1+2+3, Wirt, Wirtin, Weise 1+2+3 bleiben zunächst vor der Altartreppe stehen.

Licht an.

Teufelchen:   Himmelherrgottauferdennochmal, was für ein Menschenauflauf! Das kann ja nicht gut gehen! Bestimmt tritt gleich einer dem anderen auf den Schlips – äh, auf die Füße…

Die Hirten gehen an die Krippe. 

Hirte 1:        Dass wir alten Asis das erleben dürfen!

Hirte 2:        Wenn wir noch ’n paar Pullen gehabt hätten, würd‘ ich jetzt denken, ich spinn‘.

Hirte 3:        Jetzt müssen wir uns das Leben nicht mehr schön saufen…

Die Hirten treten zu Seite.

Die Wirtsleute treten an die Krippe.

Wirt:            Wie warm und hell unser oller Stall auf einmal ist!

Wirtin:         Ob wir’s unseren Gästen wohl nachher auch warm und hell machen sollten?

Wirt und Wirtin treten zur Seite 

Teufelchen:   Himmelherrgottauferdennochmal – das geht ja friedlich zu.

Die Weisen treten an die Krippe.

Weiser 1:      Ein neu geborenes Kind!       

Weiser 2:      Das Kind soll unser König sein.

Weiser 3:      Das steht schon in den alten…

Weiser 1:      Jetzt vergiss doch endlich mal die alten Schinken! Hier ist das Leben!

Teufelchen:   (geht auf Zehenspitzen zur Krippe, sieht hinein) Himmelherrgottauferdennochmal, ist das schön! Aber ob dieses Kind der ganzen Welt den Frieden bringen kann?

RAP: Himmelherrgottauferdennochmal 

Gott ist Mensch geworden,

er ist als Kind auf dieser Erde geboren.

Er lässt seine Erde nicht im Stich,

denn sie ist ihm wichtig,

wir bringen zum letzten Mal vor dieser Krippe unsere Reime,

Gott, dieser eine, lässt die Menschheit nicht alleine.

Seht es naht die Erlösung,

Gott findet die Lösung

und den Weg aus unserem Leid,

macht euch bereit,

es naht die heilige Zeit.

Der Teufel war mächtig –

och Gott blieb bedächtig.

Himmelherrgottauferdennochmal,

diese Erde kriegt Gottes Hilfe, das ist doch klar.

Gott hat sich geschworen,

wenn nichts geschieht, dann ist alles verloren.

Kannst Du die Erde sehen, kannst Du sie sehen,

kannst Du auf Erden sehen,

es ist ein Wunder geschehen,

Gott macht es wahr,

Kannst Du die Freude sehen, kannst du sie sehen,

Gott will die Menschen verstehen,

er gibt uns die Chance, klar.

Kannst Du die Erde sehen, kannst du sie sehen,

kannst du sehen, wie der Teufel verliert,

kannst Du sehen das alles gut werden wird, yeah.

Kannst du sehen, die Erde hat alles gewonnen:

Und jetzt sag noch mal

Gott schaut nicht nach vorn:

Der Teufel hat alles verlorn. 

Anspiel: Birgit Brügge-Lauterjung
Rap-Texte: Miriam Reinhard