Phantasiereisen

Artikel für das Buch ‚Ganzheitliche Methoden im Religionsunterricht’, Kösel-Verlag 2007

Einführung in die Methode

Spirituelle Wege verdeutlichen ihr Anliegen mit bildhaften Geschichten und Motiven, die eine Reaktion des Menschen veranlassen wollen. Die Reaktion kann z.B. aus Erkennen, Erfühlen und eigenen inneren Bildern bestehen. Sie sind nötig, da letzte und wesentliche Wahrheiten sich dem Kognitiven entziehen. Sie werden in Bildern, Metaphern und Motiven ausgedrückt. Diese Bilder wollen heilsam und anregend sein.
In der jüdischen und christlichen Tradition führt der Hinweis, dass es für den Menschen nicht hilfreich ist, sich ein inneres und äußeres Bild von Gott zu machen. Was für die Begegnungen und die Erfahrungen mit Gott förderlich ist, gilt nicht für seelische und andere religiöse Motive.
Der Mensch lebt aus und von Bildern. Unsere Erinnerungen sind als Bilder wesentlich intensiver und nachhaltiger, als Gedanken und Denken.
In der Aufklärung wurde versucht durch Denken und Verstehen das Erfahren durch Bilder abzulösen. Bildung setzte – berechtigt – auf selbständiges Denken, Erkennen und versuchte den Mangel in diesen Bereichen abzuhelfen. Bilder wurden in dem Bereich der Kunst isoliert, das seelische Potential der Bilder wurde vernachlässigt.
Erst die Entwicklung der Psychotherapie entdeckt besonders in den Träumen den Wert und die Nachhaltigkeit der inneren Bilder.
C.G. Jung benutzt die Arbeit mit inneren Bilder in der Therapie und entwickelte mit der Aktiven Imagination ein therapeutische Verfahren.
H. Leuner entwickelte in dem katathymen Bilderleben eine eigene therapeutische Methode. Im religiösen Bereich wurde der Reichtum der inneren und äußeren Bilder zunehmend entdeckt, als die Grenzen kognitiver Bildung deutlich wurden. Während zuerst für das Kinder- und Jugendalter die Chancen dieser Arbeit vertieft wurden, erreichte sie mittlerweile die schulische Oberstufe und die Erwachsenenbildung.

Das Unterscheiden von Körperarbeit, meditativen Übungen und Entspannungsübungen
Die Arbeit mit Phantasiereisen unterscheidet sich grundlegend von anderen Arbeitsformen, wie Körperarbeit, Entspannungsübungen und meditativen Übungen.
Entspannungsübungen
Da viele Menschen verspannt und gestresst sind, wird den Menschen Wellness und Entspannung durch „Phantasiereisen“, oft mit Musik und mit „Wohlfühlmotiven“ angeboten. Phantasiereisen können zwar entspannen. Sie müssen aber nicht. Nicht für Jeden ist z.B. eine grüne Wiese oder ein klarer Bach ein positives Bild. Bilder sind immer mit Lebenserfahrungen verknüpft und von daher unterschiedlich in ihrer Auswirkung. Der eine entspannt sich auf einer Wiese, der andere denkt sofort an die Kuhherde, die bei einem Picknick auf ihn zu raste. Außerdem ist Entspannung , z.B. von schlaffen Kindern, gar nicht wünschenswert.
Deshalb spricht
Körperarbeit
auch nicht von Entspannung, sondern von Spannungsausgleich. Dies ist stimmiger und entspricht den Notwendigkeiten des Menschen. Wer überspannt ist, braucht Spannungsabbau, wer an Unterspannung also an Schlaffheit leidet, braucht Spannungsaufbau. Es ist unprofessionell und katastrophal, wenn z.B. ein Lehrer Kinder entspannt, die mühsam ihre Unterspannung aufgebaut haben, um vor einer Klassenarbeit sich gut sammeln können. Entspannungsübungen oder auch Entspannungspädagogen ( ein neuer Trend) gleichen einer Münze, die nur aus einer Seite besteht. Auch Kinder mit sogenannten ADHS-Symptomen brauchen Spannungsausgleich und Möglichkeiten der Spannungsregulation, statt Entspannung. Die seriösen Körperarbeitsschulen wie Feldenkrais, Eutonie, Yoga, Alexander-Technik und Tai-Chi sorgen für einen Spannungsausgleich. Einzig und allein seriöses „Autogenes Training“ widmet sich der Entspannung und ist damit für ganz bestimmte Menschen eine Indikation und Therapie (!).
Meditative Übungen
sind geistliche Übungen, die auch Bilder und Motive benutzen können. In diesen Übungen bleiben die Bilder, z.B. eine Ikone aber Bilder. Sie sind eher Gegenstand der Betrachtung und des Meditierens, damit können sie zwar aber verinnerlicht werden, aber dies ist kein methodischer Weg, sondern das Ergebnis einer Übung.

Fazit:

Die Arbeit mit inneren Bildern und Phantasiereisen ist in allen pädagogischen Bereichen eine existentielle Methode, die den ganzen Menschen anspricht. Ihre Tiefenwirkung besteht darin, dass sie in eine Resonanz und damit in eine intensive Beziehung zu dem Menschen tritt. Phantasiereisen wollen die Erfahrungen, die in Texten und Bildern festgehalten werden, selbst ermöglichen. Dies schließt berührt und ergriffen werden ein. Im religiösen Bereich ist sie eine intensive geistliche Übung, die Glaubenserfahrungen ermöglicht. Ignatius von Loyola verwendet Imagination als eigenen Übungsbereich in seinen Exercitien.

Grundsätzliche Überlegungen und Hinweise zur Anwendung
Die Arbeit mit Phantasiereisen im Religionsunterricht nimmt biblische Motive und Geschichten auf, genauso wie seelische und geistliche Grundbilder. Im Prozess der Anleitung lässt der Teilnehmende die angeleiteten Bilder zu bzw. er/sie gestaltet sie selbst aus. Dabei geht es nicht darum Bilder und Motive möglichst getreu nach der Anleitung zu erleben, sondern sich in und auf den Prozess des eigenen Erlebens und Gestaltwerdens einzulassen. Veränderungen der Anleitung im eigenen Erleben sind nicht nur möglich und erwünscht, sondern sinnvoll. Äußere angeleitete Motive treten so zur eigenen Wirklichkeit in Beziehung.

Aus der Psychologie und auch aus der geistlichen Begleitung wissen wir, dass innere erlebte oder vorgestellte Phantasien genauso prägend sind wie real erlebte Situationen. Dies gilt natürlich genauso für gute Erfahrungen, wie auch für schwierige oder gar verletzende Bilder. Deshalb wird bei Phantasiereisen ausschließlich mit heilsamen (!) Motiven gearbeitet. Die Unsitte, dass Menschen durch innere Bilder aus schlechten Erfahrungen und gar aus schlechten oder verletzenden Motiven lernen sollen, ist zwar nur noch selten verbreitet, aber nicht überwunden. Wer Menschen zu Vertrauen und Perspektive im Leben ermutigen und erziehen will, kann nur mit heilsamen Grundbildern arbeiten. Diese Bilder haben genug Tiefgang, um auch schwierige lebensgeschichtliche Erfahrungen positiv aufzunehmen und angemessene Vergegenwärtigungen zu ermöglichen. Bitte unterschätzen sie nicht, dass auch heilsame Bilder intensiv, anstrengend und sehr differenzierte Erfahrungen auslösen. Sie koppeln sich manchmal mit lebensgeschichtlichen Motiven, die „reif“ sind und auf Integration harren und auf Veränderung hoffen. Dabei tragen die biblischen Motive einen intensiven und nicht zu unterschätzenden Erfahrungsschatz in sich, der die teilnehmende Person in ihrer gesamten Existenz ansprechen und erreichen kann. Letztlich vermitteln Phantasiereisen zwar auch Wissen, aber sie möchten eigentlich das Wissen hinter dem Wissen (die Weisheit) aufnehmen und in die Mitte des Menschseins einpflanzen. Erfahrung und integriertes Wissen sind die zwei Seiten der einen Münze.

Die fünf Abstufungen der Phantasiereisen – eine theoretische Unterscheidung

Wir unterscheiden 5 Intensitätsstufen der Phantasiereisen. Diese theoretische Unterscheidung hat sich für die Praxis als hilfreich herausgestellt, da damit die ungefähre Intensität der jeweiligen Phantasiereise transparent wird.

  • Phantasiegeschichten
    sind und bleiben Geschichten, die in der Phantasie miterlebt werden können. Der Miterlebende kann sich die Geschichte vor seinem inneren Auge vor stellen. (Als Beispiel später ausgeführt: Der gute Hirte – Thema: Vertrauen und Geborgenheit) Gut geeignet ist diese Form für das Kindergartenalter. Bilderbücher (nicht nur „Frederik“) sind zur Motivsuche hilfreich.
  • Gelenkte Phantasiereisen
    lenken den Phantasiestrom. Für die einen ist dies eine Hilfe, andere schränkt dies sehr ein. Der Anleitende kann das Ausufern der Phantasie einschränken und am Thema bleiben. Die Selbst – Erfahrung ist eingeschränkt, nicht nur deshalb ist diese Arbeitsform in der Schule angemessen. (Als Beispiel: Wie die zarten Blumen – Thema: sich entfalten).
  • Halboffene Phantasiereisen
    öffnen sich durch die Anleitung für die Erfahrungswelt der Teilnehmer. Die Anleitung enthält mehr Raum und Stille für das eigene Erleben. Diese Öffnung sorgt für eine Begegnung mit den Motiven der Geschichte. Der Ausgang bzw. das Ende einer Geschichte ist damit nicht immer festzulegen. Zu meist machen die Teilnehmenden unterschiedliche Erfahrungen mit einer Geschichte. (Als Beispiel: Mose und der brennende Dornbusch Thema: Gottesbegegnung und meine Lebensaufgabe). In der Schule sind diese Phantasiereisen noch gut einsetzbar, solange die eigene Erfahrung ermöglicht, aber nicht bewertet wird.
  • Offene Phantasiereisen
    geben meist nur einen Grundimpuls vor und überlassen es dem Erlebenden, wie sich dieses Grundmotiv einer Geschichte entwickelt. Mit dieser Arbeitsform sind viele intensive Erfahrungen möglich, aber es ist so gut wie nicht möglich ein „Endergebnis“ im voraus festzulegen. Im schulischen Alltag ist diese Arbeitsform grenzwertig, für Besinnungstage oder Projekte aber sehr gut einsetzbar. (Als Beispiel: Ich bin das Licht der Welt – Thema: Von der Dunkelheit zum Licht)
  • Die Aktive Imagination
    nimmt Grundimpulse aus der Lebensgeschichte auf und ist ein therapeutisches Verfahren. Sie hat ihren Ort in der Therapie, allenfalls noch in der geistlichen Begleitung und in der Traumarbeit. Sie setzt ausgebildete Anleiter voraus.

Was gelingt im RU?
Phantasiereisen sind für den Unterricht eine gute Methode, die auch von der Zeit her oft in 45 Minuten, bei intensiver Arbeit auf jeden Fall in 90 Minuten realisiert werden können. Die methodischen Abstufungen erlauben einen differenzierten Einsatz je nach Alter und Intensität. Schüler lieben Phantasiereisen, weil sie sich bei diesen Übungen auf sich zurückziehen können, weil sie Atmosphäre haben und verschiedene Ebenen (Intellektuelles, Kreatives und Selbsterfahrung) verbinden. Für den Unterricht werden Kognitives und eigene Erfahrung verbunden und gewährleisten so ein Andocken des Erlebten und Reflektierten, an die eigene Lebenswirklichkeit. Schwieriger dagegen ist eine Lernzielüberprüfung oder gar eine Lernzielsicherung, denn Schüler lernen es früh schulisch „passende und richtige“ Antworten zu geben.

Themen und Motive
Aus der biblischen Tradition sind viele Themen und Motive für Phantasiereisen nahe liegend und geeignet. .

Geistliche Grunderfahrungen
In der biblischen Tradition werden viele Erfahrungen des Menschen mit Gott beschrieben. Sei es Moses am brennenden Dornbusch; Elia, der Gott in der Stille erfährt; Maria, in der Gott geboren und lebendig werden will oder Petrus, der den Geist Gottes empfängt. Diese Motive sind intensiv und führen nicht selten dazu, dass Menschen mit der göttlichen Wirklichkeit in Berührung kommen.

Urbilder /Psalmworte
In den Psalmen finden sich Urbilder des Lebens, die für eine Imagination geeignet sind. Diese Urbilder lassen sich eher leicht anleiten und die Teilnehmenden werden von diesen Bildern angesprochen. Beispiele: Der Mensch ist wie ein Baum (Psalm 1), Gott ist wie ein Hirte (Psalm 23), Lichtmotive (im AT und NT), Der Garten Eden (Jesaja ), Der neue Himmel und die neue Erde (Jesaja 65 und Offenbarung)

Gleichnisse
Gleichnisse sind Bildreden und die Bilder und Motive sind zahlreich und für alle Altersgruppen geeignet. Hier sind nur einige Möglichkeiten genannt. Das Wachsen von Unkraut und Weizen – Vom wachsen lassen und unterscheiden, Das Wachsen des Senfkorns, Vom Finden des Verborgenen – der Schatz im Acker (alle aus Matthäus 13), Das wieder gefundene Schaf (Matthäus 18), Die eigenen Gaben leben und fördern (Matthäus 25,14ff).

Und nicht zuletzt
sind außerbiblische Impulse genauso geeignet. Viele Märchen enthalten grundlegende menschliche und geistliche Themen und Motive, ebenso sind diese in der Literatur zahlreich zu finden.

Schulische Kooperationen
Es ist für Phantasiereisen nahe liegend eine Verbindung mit dem Kunstunterricht, aber auch mit dem Musikunterricht zu suchen und zu nutzen. Das Gestalten der Phantasiereisen mit unterschiedlichen Materialien und eventuell auch an Staffeleien und der musikalische Ausdruck durch Klang und Töne können so leicht und vielfältig einbezogen werden. Dies macht nicht nur zusätzliche Freude, sondern vertieft auch die inhaltliche und kreative Kompetenz.

Allgemeine methodische Schritte
Vorbereitung und Erstellung einer Phantasiereise

Zu Arbeit mit inneren Bildern gehört die Aneignung bzw. die Entwicklung einer Phantasiereise.
Manche Menschen benutzen gerne vorformulierte Phantasiereisen und sehen für sich keine Möglichkeit selbst Phantasiereisen zu entwickeln. Dies ist möglich, unter der Voraussetzung, dass die Vorlage durchgearbeitet wurde und der Anleitende sich die Phantasiereise selbst angeeignet und damit verinnerlicht hat. Abgelesene Phantasiereisen genügend keinen pädagogischen Ansprüchen, da nicht auf die Gruppe reagiert werden kann und der Inhalt im Wesentlichen nicht der Situation, der Gruppe und der Zielsetzung angepasst wurde.

Der erste Schritt bei der Entwicklung einer Phantasiereise ist die Elementarisierung und Reduzierung der Grundinhalte, damit die Motive sich als innere Bilder entfalten können. Dazu ist es notwendig die Geschichte durchzulesen, die Grundmotive herauszuarbeiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und eine konzeptionelle Entscheidung zu treffen, z.B. gelenkte Phantasiereise. Der Anleitende ist mit einem Reiseführer vergleichbar, der durch das Land der inneren Bilder hindurchführt. Er/sie sorgt für einen angenehmen Reisebeginn und einen entsprechenden Ort. Er leitet die Reise an, gibt Erläuterungen, steht bei Schwierigkeiten zur Verfügung, sorgt für Übergänge, Anregungen, Vertiefung und bringt am Ende alle Teilnehmenden wohlbehalten nach Hause. Der „Reiseführer“ handelt mit und aus seiner Verantwortung, kann aber nichts für die Lebensgeschichte der Teilnehmenden; die Art und Weise, wie diese die Reise erleben und gestalten. Natürlich ist es jedem Reisenden freigestellt, an der Reise teilzunehmen (freiwillig), unterwegs einen eigenen Blickwinkel zu haben oder auch nicht an allen Stationen sich gleichermaßen intensiv einzulassen.

Der Methodische Ablauf
Idealerweise lässt sich der Ablauf einer Phantasiereise in 3 Teilen darstellen:

  1. Hinführung
    Die Hinführung zur Phantasiereise geschieht zumeist durch kurze Körperarbeit. Dies kann durch Abklopfen des eigenen Körpers geschehen oder durch Abrollen mit einem Tennisball. Danach ist für einen guten Sitz und eine angemessene Haltung zu sorgen. Bewährt hat sich der Sitz auf dem umgedrehten Stuhl, die Arme liegen verschränkt auf der Rückenlehne und der Kopf ruht auf den verschränkten Armen. Alternativ: Auf dem leer (!) geräumten Schultisch liegt der Kopf auf den verschränkten Armen. Selten können Menschen sich im schulischen Bereich auf eine Decke auf dem Boden legen.
    Wichtig: Der Atem wird nicht beeinflusst. Selten sind Menschen wirklich ausgebildete Atempädagogen oder Atemtherapeuten. Gerade wer Yoga gemacht hat, kommt leicht auf die Idee Atemübungen des Yoga einzubringen. Doch Yoga hat einen ganz anderen Kontext und Einzelübungen sind außerhalb des Yoga fast immer nicht angebracht. Es gilt die Regel: Es atmet mich! Dieses Atmen kann zwar – auch als Hinführung – wahrgenommen werden, aber schon der Versuch der Wahrnehmung verändert den Atem.Durchführung
    Hier hat nun die eigentliche Phantasiereise ihren Platz. Sie wird angeleitet. Die Augen der Teilnehmenden können nun geschlossen werden.

    Rückführung
    Am Ende der Phantasiereise findet eine Rückführung statt. Die Teilnehmenden werden angehalten wieder in die Wirklichkeit der Schule zurückzukehren und ganz da zu sein, wo sie jetzt sind. Es gibt Menschen, die gerne weiter „träumen“. Die Rückführung wird als Einladung ausgesprochen, die Augen werden geöffnet und durch Bewegung (gähnen und räkeln) verstärkt.

  2. Ausdruck des Erlebten
    Eine Phantasiereise hinterlässt im Erleben immer einen Eindruck, mal schwächer, mal intensiver. Deshalb gilt die Regel: Was Eindruck macht, braucht Ausdruck! Als Weg des Ausdrucks bieten sich viele kreative Möglichkeiten an:
    – großflächiges Malen eines wichtigen Bildes aus dem Erlebten in verschiedenen Techniken
    – Gestalten der emotionalen Erfahrung in Ton
    – Ausdruck des Erlebten in Klang ( mit Instrumenten in freier Improvisation), mit Tönen, mit Ausdruckstanz
    – ein einfaches Mandala (Kreis mit Mittelpunkt) kann eine Anregung beim Ausdruck sein
  3. Die sprachlichen Aspekte
    Was Ausdruck geworden ist, kann Sprache werden. Im schulischen Kontext wird die Sprache sehr geschätzt, manchmal auch überschätzt. Erfahrungen lassen sich nicht immer gleich in Sprache ausdrücken oder man bekommt „gelernte und richtige“ Antworten. Gerade Erfahrungen im RU finden im Grenzbereich der eigenen Selbst-Erfahrung und des schulischen Lernens statt. Oft ist es sinnvoll, dass ein Austausch über die Erfahrungen nur in selbst gewählten Kleingruppen stattfindet.
    Eine Lernzielvergewisserung (sollte dies gewünscht sein) wäre trotzdem durch eine gemeinsame kurze und knappe Schlussrunde möglich.

Darstellung einzelner Methoden und Beispiele
In diesem Abschnitt werden einige Beispiel ausgeführt. Es ist hier nur die unmittelbare Phantasiereise (Durchführung) ausgearbeitet.

Phantasiegeschichten
Der gute Hirte – Thema: Vertrauen und Geborgenheit.
Das Motiv lehnt sich an verschiedene Grundmotive des guten Hirten an und geht letztlich von der Geschichte in Lukas 15 aus.
Durchführung:
Stell dir vor du bist an meinem frühen Morgen in Israel in kleinem Dorf. Das Dorf besteht aus einigen Häusern und bei jedem Haus wohnen auch Schafe. Ein Mann kommt mit seinem Hund durch die Gassen und macht die Tore der Schafshürden auf. Und stell dir vor: alle Schafe folgen ihm. Es werden immer mehr Schafe. Der Hirte geht voran, die Schafe folgen ihm und der Hund passt auf, das kein Schaf verloren geht. Manchmal dreht der Hirte sich um und schaut die Schafe an. Und stell dir vor: Die Schafe bleiben auch stehen und schauen den Hirten an. Der Hirte kennt alle seine Schafe, er weiß um jedes Schaf Bescheid. Er weiß, was es gerne frisst, wer rum bummelt, sich verläuft, ob ein Schaf hinkt oder einen Verband braucht. Der Hirte ist für seine Schafe da und die Schafe vertrauen ihm. Sie gehen gerne mit ihm auf die Weide. Der Morgen hat gerade erst begonnen. Das wenige Gras ist noch feucht, auf den Blättern liegt noch der Tau. Stell dir vor, nun geht es über Stock und Stein, um Felsen herum, herunter ins Tal und hinauf auf den Berg. Der Hirte geht so langsam, dass alle Schafe knabbern und fressen können. Als es Mittag wird und die Sonne am Höchsten steht, ist es sehr heiß. Die Schafe suchen den Schatten der Felsen und der wenigen Büsche und Bäume. Der Hirte sorgt immer für einen Platz, der im Schatten liegt. Es tritt Stille ein, alle ruhen sich aus. Das tut gut. Auch der Hirte setzt sich unter einen Baum, ein bisschen schlummert er ein und passt doch auf seine Schafe auf. Langsam lässt die Mittagshitze nach. Nun stehen die Schafe wieder auf und der Hirte geht vor den Schafen her. Auf dem kürzesten Weg gehen sie nach Hause. Die Schafe folgen dem Hirten. Sie wissen: jetzt bringt er uns ans frische Wasser. Am Brunnen schöpft der Hirte mit dem Ledereimer Wasser und er zählt dabei seine Schafe. Er zählt einmal, er zählt zweimal und dann weiß er, dass ein Schaf fehlt. Er kennt das Schaf genau. Es ist ein Schaf, das immer bei der Herde bleibt. Es hat sich noch nie verlaufen. Der Hirte eilt den Weg zurück und schaut nach dem Schaf. Manchmal hält er Inne. Dann hört er ein Blöcken. Er findet das Schaf. Stell dir vor, sein Vorderhuf ist eingeklemmt. Der Hirte befreit es und beide gehen glücklich nach Hause. Ab und zu stößt das Schaf mit dem Kopf den Hirten an. Es weiß, dass der Hirte ihm geholfen hat.

Gelenkte Phantasiereisen
 Wie die zarten Blumen – Thema: Sich entfalten sich einlassen auf das, was ist. Das Motiv stammt aus einem Lied von G. Teerstegen.(eg 165,6 zweiter Satz) Diese kleine Phantasiereise kann auch in Bewegung umgesetzt werden. Die Teilnehmenden sehen dann nicht das Heranwachsen der Blume, sondern sie erleben es direkt mit. Dies ist dann ein Phantasiereise mit Bewegung. – Eine Blumenzwiebel liegt unter der Erde.
– Langsam durchbricht der Keim die Schale und der Keim schiebt sich durch die Erde ans Licht
– Der Keim wird fester und fester und wird zum Stiel.
– Die Blume wächst heran.
– Mit dem Heranwachsen der Blume bildet sich die Blüte.
– Erst sind die Blütenblätter noch versteckt, dann wird die geschlossene Blüte immer deutlicher sichtbar.
– Die Sonne scheint auf die Blüte, der Regen fällt und der Wind umspielt sie.
– Die Blume steht da und wächst und entfaltet sich.
– Sie blüht auf, zeigt ihre Blütenblätter und faltet sie abends wieder zusammen.
– So steht die Blume jeden Tag da. Sie erlebt das Leben einer Blume in Wind, Sonne und Regen, es ist wie es ist.

Eventuell als Überleitung oder Zusatzimpuls
– Stell dir vor, dass du es bist, der heranwächst
– in all dem Wetter
– Stell dir vor, du lebst und entfaltest Dich.

Ausdruck: Es bietet sich ein Bild an, das mit Pastellkreiden oder mit Acrylfarbe (an einer Staffelei) gemalt wird. Anschließend ist im sprachlichen Teil ein Vergleich mit dem Teerstegen – Text ergiebig.

Halboffene Phantasiereisen
Mose und der brennende Dornbusch Thema: Gottesbegegnung und meine Lebens – Aufgabe

– Du ziehst wie jeden Tag mit deiner Schafsherde in die Wüste und weidest die Schafe.
– In der nahen Ferne siehst du einen brennenden Dornbusch, der trotzdem nicht verbrennt.
– Du trittst heran und eine Stimme spricht zu Dir: Ziehe deine Schuhe aus. Du stehst auf heiligem Boden.
– Du näherst Dich dem Dornbusch, der nicht verbrennt.
– Die Stimme spricht zu dir: Ich bin. Ich bin da. Dies ist mein Wesen, dies ist mein Name. Ich bin – dein Gott.
– Ich habe eine Aufgabe für Dich. Auch wenn es Dir schwer fällt. Auch wenn du die Zurückgezogenheit liebst.
– Nimm Dich dieser Aufgabe an.
– Wenn du deine Aufgabe nicht kennst, lausche in Dich hinein.
– Spüre nach was deine Aufgabe in deinem Leben ist.
– Lasse einfach Bilder und Gedanken dazu kommen und gehen. Schaue und spüre was Dich berührt.
– Schließe die Zeit des Nachspürens.
– Nimm das Bild, den Eindruck mit, der Dich intensiv berührt und dir jetzt wichtig ist. – Schaue nach einmal auf den Dornbusch, wenn Du ihn noch sehen kannst.
– Verabschiede Dich, gehe zurück zu deinen Schafen und wandere mit Ihnen langsam zurück.

Offene Phantasiereisen
Von der Dunkelheit zum Licht – Ich bin das Licht der Welt I
ch leite diese Phantasiereise in einer Form an, in der die Teilnehmenden, selbst die Erlebenden sind.
– Du bist am Morgen in der Dunkelheit unterwegs.
– Die Dunkelheit ist so umfassend, dass du kaum etwas siehst.
– Setze Dich an einen Ort, damit du das erste Licht des Tages sehen kannst. (gegebenenfalls fragen, ob bei allen das erste Licht des Tages erschienen ist, Hand heben lassen, dann weiter)
– Das Licht durchdringt die Dunkelheit und erhellt den Tag.
– Die Strahlen der Sonne beleuchten den erwachenden Tag.

 Alternative: (auch als Adventsthema geeignet)

– Du sitzt in der Dunkelheit in einer Höhle
– Du fühlst, riechst und schmeckst den Raum – aber er ist ohne Licht
– Neben dir sind eine Kerze und Streichhölzer.
– Zünde das Streichholz an und danach sofort die Kerze.
– Schaue zu wie der Raum sich verändert und langsam hell wird
– Das Licht durchdringt die Dunkelheit.

5. Zusammenfassung und Schlussreflexion eines Nichtschulpädagogen
Phantasiereisen sind im schulischen Kontext eine intensive Methode, um erfahrungsorientiert zu arbeiten. Sie sind für alle Schultypen und Altersstufen geeignet. Es bedarf der Erfahrung und der intensiven Fortbildung der Unterrichtenden, um sich mit der Arbeitsform vertraut zu machen. Persönlichkeitsbildung, religiöse Bildung, künstlerisches Arbeiten und Informationsvermittlung finden bei dieser Arbeitsform zu einer Einheit zusammen. So gelingt oft ein Andocken der biblischen Botschaft an die Lebenssituation der Schüler und Schülerinnen. Grenzen sind dieser Arbeitsform durch die zur Verfügung stehende Zeit, die beschränkte Selbsterfahrung im schulischen Kontext und oft durch nachteilige Räumlichkeiten gegeben. Bei der Benotung ist darauf zu achten, dass nicht die Erfahrung und ihre persönlich Verarbeitung im Vordergrund steht.

6. Literaturhinweise
Gerda und Rüdiger Maschwitz, Von Phantasiereise bis Körperarbeit, Existentielle Methoden gekonnt einsetzen, Kösel 2004
Gerda und Rüdiger Maschwitz, Phantasiereise zum Sinn des Lebens, Kösel 2006, 6.Auflage
Für die Hinführung zur Phantasiereise: Rüdiger Maschwitz, Hellwach und entspannt, Eutoniegeschichten, Kösel 2000, dazu gibt es 2 CD´s, die Übungen und Liedern enthalten.